Andrej Demidow: „Die größte Bedrohung für Putins Kriegsmaschinerie“

Rede von Andrej Demidow, russischer Aktivist (Auszüge)

„Guten Tag, Genossinnen und Genossen. Ich vertrete die Union der postsowjetischen Linken, eine Koalition aus Russen und Ukrainern, sowie die Koalition ‚Frieden von unten‘. Ich bin Russe. Meine Genossinnen und Genossen sitzen in Russland im Gefängnis, andere setzen den Antikriegseinsatz im Untergrund fort. Und ich bin es, der sie heute vertritt.

Die westlichen Medien und die politischen Eliten wiederholen ständig, dass es in Russland keinen Widerstand gegen den Krieg gibt. Das ist falsch. Nach vier Jahren Krieg nimmt der Widerstand endlich massive Ausmaße an, doch handelt es sich dabei selten um offene Demonstrationen.

Meistens sind es die Waffen der Schwachen: Sabotage, Ungehorsam, Desertion, die Weigerung, am Krieg teilzunehmen.

Seit Kriegsbeginn wurden mindestens 120.000 Fälle von Desertion gezählt.

Was ist also heute Putins größtes Problem? Der Mangel an Panzern? Nein. Der Mangel an Raketen? Nein. Putins größtes Problem ist der Mangel an Freiwilligen für die Armee. Die Menschen leisten Widerstand. Sie leisten stillen, individuellen Widerstand, oft ohne Organisation und ohne politische Vertretung.

Genau dieser passive Widerstand von Millionen von Menschen stellt die größte Bedrohung für Putins Kriegsmaschinerie dar. Deshalb starten wir heute eine internationale Solidaritätskampagne mit den russischen Deserteuren.

Doch Putins Regime hat in den westlichen Regierungen einen unerwarteten Verbündeten gefunden, die allen Russen, die in der Armee dienen, die Einreise in die Europäische Union verweigern wollen.

Was können wir also tun? Wir können den Millionen Russen zeigen, dass sie jenseits der Grenze Verbündete und Freunde finden werden – und nicht nur Sanktionen.

Wir zeigen ihnen, dass eine andere Zukunft möglich ist: kein militärischer Sieg, kein Abkommen zwischen den Machthabern, sondern ein Frieden, der von der Basis ausgeht, ein Frieden, der auf Selbstbestimmung, Demokratie und Solidarität zwischen den Völkern beruht.

Das ist es, was wir tun können.“