Jordi Salvador Duch: „Jeder Euro, jede Rakete – das ist ein Euro, der einer Schule, einem Krankenhaus und einem Leben gestohlen wird.“

Jordi Salvador Duch, Abgeordneter der Provinz Tarragona für die Republikanische Linke Kataloniens, ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft UGT (1) in Tarragona

„Ich habe eine Tochter, und ich möchte nicht, dass meine Tochter in den Krieg zieht, und ich möchte auch nicht, dass irgendein Mädchen oder irgendein Junge in den Krieg zieht. Das ist unter anderem der Grund, warum wir hier sind. Genossen, Freunde aller Völker. Im März 2013 haben wir in Tarragona, meiner Stadt, eine große internationale Konferenz wie diese organisiert – gegen die Troika (2), gegen die Sparmaßnahmen und auch gegen den Krieg –, und die Zeit hat uns Recht gegeben. Die Troika, das Kapital, die mitschuldigen Regierungen wollten uns für ihre Krise bezahlen lassen, uns um hundert Jahre zurückwerfen. Heute sind es dieselben, dieselben Personen, dieselbe Logik. (…)

Heute befindet sich das Kapital nicht in einer Krise. Es führt eine Offensive, eine Flucht nach vorn, und sein Zufluchtsort ist der Krieg. Jean Jaurès hatte es bereits vor über hundert Jahren gesagt: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen.“ Es ist der Krieg als wirtschaftliche Tätigkeit, der Krieg als Zuflucht des Kapitals. Sie wissen nicht mehr, was sie tun sollen, sie wissen nicht mehr, was sie herstellen sollen, sie wissen nicht mehr, wie sie auf diesem freien Markt, an den sie so sehr geglaubt haben, konkurrieren sollen. Und wo findet das Kapital Zuflucht? In den Waffen, in der Rüstungsindustrie – das ist der Zufluchtsort des Kapitals, das ist eine kommerzielle Aktivität. Unsere Fabriken in Todesmaschinen zu verwandeln – das nennen sie „ReArm Europe“, 800 Milliarden Euro. Sie nennen das Sicherheit. Sie nennen das Verteidigung. Ich nenne das Aufrüstung, Krieg im Dienste des Kapitals und Krieg gegen die Völker. Das haben wir bereits 2013 gesagt. Wir wollen ein Europa der Solidarität mit den Völkern, ein Europa gegen Kriege, gegen jede Einmischung, selbst wenn sie als humanitäre Hilfe getarnt ist. Und sie wollen uns mit den Argumenten des Klassenfeindes davon überzeugen, dass Waffen Fortschritt bringen, dass sie gute Arbeitsplätze schaffen. Das ist falsch. Der Militärsektor schafft weniger Arbeitsplätze und von geringerer Qualität als jeder andere Sektor. Das ist reine Propaganda.

Wollt ihr ein Beispiel? Dort, wo ich herkomme, haben die Waldbrände bereits begonnen. Um das Feuer zu löschen, das unsere Wälder verwüstet, verfügen wir über 18 Löschflugzeuge. 18 Flugzeuge. Dagegen haben wir 150 Kampfflugzeuge, um zu töten. Das ist die Realität. Das ist ihre Priorität. Das ist ihr Gesellschaftsmodell. Und dennoch behaupten manche weiterhin, dass der Krieg bessere Chirurgen hervorbringt. Alles ist recht, um den Krieg zu rechtfertigen, selbst der obszönste Zynismus. Und worin besteht unsere Verantwortung?

Zunächst einmal müssen wir den Kampf bei uns zu Hause führen, in unseren Parteien, unseren Gewerkschaften, unseren Vereinen. Dort muss der Kampf geführt werden, wie ein Virus, wie ein Virus, das sich ausbreitet. Zweitens müssen wir mit dem Finger auf unsere eigenen Regierungen zeigen.

Man sagt uns, dass Sozialausgaben, Freiheiten und Militärausgaben miteinander vereinbar seien. Das ist falsch, tausendmal falsch. Ihr Angriff ist sozialer Natur, aber es ist auch ein Angriff auf unsere Freiheiten und auf die Freiheit unserer Völker. Lehrer*innen und Pflegekräfte demonstrieren auf der Straße gegen das Einfrieren ihrer Gehälter. In meinem Land wurde das „Knebelgesetz“ (3) nicht aufgehoben. Warum? Weil sich die Polizeiverantwortlichen dagegen gestellt haben. Sie haben eine Amnestie für diejenigen beschlossen, die es dem katalanischen Volk, meinem Volk, ermöglicht haben, abzustimmen. Sie haben uns geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Sie haben eine Amnestie verkündet, aber die franquistischen Richter wenden sie nicht an. Dieselbe Regierung, die den Krieg schürt, verweigert den Helden, die in der Ukraine und in Russland desertieren, das Asyl. Es leben die Kriegsdeserteure! Jeder Euro, jede Rakete ist ein Euro, der einer Schule, einem Krankenhaus und einem Leben gestohlen wurde. Sie dürfen nur einem einzigen Zweck dienen: unsere Handlungsfähigkeit zu vergrößern. In jedem Land, in jeder Fabrik, in jedem Stadtteil muss es Widerstand geben. Sie haben Flugzeuge. Wir haben die Völker. Sie bereiten den Krieg vor. Wir organisieren den einzig wahren Frieden. Kein Soldat, kein Euro für ihren Krieg. Es lebe die internationale Solidarität der Völker! Sie werden nicht durchkommen! No pasaran!“

Anmerkungen

(1) Spanischer Gewerkschaftsverband

(2) Begriff, der insbesondere während der Griechenlandkrise 2015 die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und den Internationalen Währungsfonds bezeichnete

(3) „Knebelgesetz“: Gesetz zum „Schutz der öffentlichen Sicherheit“, das soziale Proteste unterbinden soll und am 1. Juli 2015 in Kraft trat


Übergeordnetes Thema:

Reden auf der Internationalen Konferenz und Kundgebung in London am 19./20. Juni 2026