Rede auf der Intenationalen Kundgebung gegen den Krieg in London am 20. Juni 2026 (Auszüge)
Maurizio Coppola, nationaler Koordinator von „Potere al popolo“ (Italien)

„Vor acht Monaten hatte ich Gelegenheit, in Paris auf der vorangegangenen internationalen Antikriegskonferenz das Wort zu ergreifen, um über die laufenden Generalstreiks sowie über die Bewegung für die Befreiung Palästinas, gegen den Völkermord und gegen den Krieg zu sprechen.
Ich halte es heute, acht Monate später, für wichtig, auf diese Ereignisse zurückzublicken und daran zu erinnern, unter welchen Bedingungen diese beiden Generalstreiks, die über einen Zeitraum von zehn Tagen organisiert wurden, erfolgreich durchgeführt werden konnten. Ich glaube, wir müssen die Kombination von vier wesentlichen Elementen betonen.
Das erste ist ganz klar: Während dieser zehn Tage hat sich in Italien eine echte Massenbewegung entwickelt. Familien, Studierende und sogar Kinder gingen auf die Straße, um Nein zum Völkermord und Nein zur Beteiligung der italienischen Regierung an diesem Völkermord zu sagen.
Ich denke, dies zeugt von der außergewöhnlichen Mobilisierungsfähigkeit der italienischen Volksbewegung.
Das zweite Element sind die radikalen Aktionen. Es handelte sich nicht einfach um zweistündige Streiks, noch nicht einmal um achtstündige Streiks. Die Parole lautete: „Blocchiamo tutto“ – „Lasst uns alles lahmlegen.“ Und dieser Aufruf verbreitete sich von den Arbeitsstätten auf die Universitäten, in die Schulen, überallhin. Die Straßen, Flughäfen, Bahnhöfe … alles wurde lahmgelegt. Zwei Tage Generalstreik, an denen das Land von A bis Z regelrecht lahmgelegt war.
Das dritte Element – und ich denke, das ist das Wichtigste, wenn man über zukünftige Kämpfe nachdenkt – ist, dass diese Bewegung vom fortschrittlichsten Teil der Arbeiterklasse angeführt wurde. Die Hafenarbeiter von Genua, aber auch die von Livorno, Civitavecchia und vielen anderen Häfen.
Ohne die Arbeiterklasse kann es keine echte Bewegung gegen den Krieg und gegen die Militarisierung geben.
Der vierte und letzte Punkt ist, dass diese Bewegung nicht spontan entstand. Sie war das Ergebnis langwieriger Organisationsarbeit. Der 7. Oktober markierte nicht nur den Beginn des Völkermords in Palästina. Er markierte auch den Beginn eines wachsenden Bewusstseins dafür, was dort geschah und was dies für unsere Welt, für unser Leben, im Herzen der kapitalistischen Staaten selbst, bedeutete.
Die Basisgewerkschaften, insbesondere die Gewerkschaft USB (Union syndicale de base, Anm. d. Red.), die die Hafenarbeiter organisiert, haben sich voll und ganz in der Bewegung gegen den Völkermord in Palästina engagiert. Sie taten dies nicht nur als Gewerkschaftsorganisation, sondern auch als politische Akteure, indem sie mobilisierten, politisierten und zum Aufbau einer Massenbewegung beitrugen.
Das Gleiche galt für die politischen Organisationen, die mit diesem System, mit dem Kapitalismus, dem Zionismus und dem Kolonialismus brechen wollen. Sie waren jeden Tag präsent, verteilten Flugblätter, verbreiteten ihre Zeitungen und leisteten politische Aufklärungsarbeit. Es war eine organisierte Bewegung, und das ist ein grundlegender Punkt. Spontaneität allein kann nicht zu solchen Generalstreiks führen. Eine solche Mobilisierung muss im Vorfeld vorbereitet und organisiert werden.
Welche Lehren müssen wir daraus für die Zukunft ziehen? Ich halte es heute, da die Bewegung weniger stark ist als zuvor, für wichtig, sich dessen voll und ganz bewusst zu werden. Im Oktober wurde ein sogenanntes Friedensabkommen für Gaza verkündet. Dabei handelte es sich jedoch keineswegs um ein echtes Friedensabkommen. Aber es hatte zur Folge, dass die Dynamik der Bewegung gebremst wurde. Es stellte in gewisser Weise eine Antwort auf die Bewegung selbst dar.
Heute müssen wir die Fähigkeit wiederfinden und stärken, die beiden historischen Tage, die wir im September und Oktober 2025 erlebt haben, erneut aufleben zu lassen. Wie können wir das erreichen? Ich denke, wir müssen in unserer Analyse und in unseren politischen Positionen sehr große Klarheit an den Tag legen. In Italien kursieren derzeit Erklärungen zur Militarisierung, die aus unserer Sicht falsch sind. Es ist nicht einfach der Wahnsinn von Trump oder von Giorgia Meloni, der zur Militarisierung treibt. Die Militarisierung ist das Produkt der Krise des kapitalistischen Systems, die den Imperialismus immer tiefer in den Abgrund treibt.
Sie ist die Antwort der herrschenden Klassen, der Bourgeoisie überall auf der Welt, auf die Krise des Kapitalismus. Wenn wir diese Analyse nicht mit unserer Mobilisierungsfähigkeit verknüpfen, wird es unmöglich sein, wirklich mit diesem System, mit dem Kapitalismus und mit dem Imperialismus zu brechen.
Unser Gegner sind natürlich die Regierungen unserer Länder. Aber es ist auch das Vorhaben, eine europäische Armee und ein europäisches Verteidigungssystem aufzubauen. Es ist ebenfalls der US-Imperialismus und die NATO. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns auf Konferenzen wie dieser treffen und gemeinsam unsere Analyse vertiefen, um das politische Bewusstsein zu stärken und die Fähigkeit wiederzuerlangen, das zu wiederholen, was wir 2025 in Italien erfolgreich aufgebaut haben.“
Übergeordnetes Thema:
Reden auf der Internationalen Konferenz und Kundgebung in London am 19./20. Juni 2026