Daniel Kebede: „Während das Vereinigte Königreich weiterhin Waffen an Israel verkauft, stellt es diejenigen unter Strafe, die gegen den Völkermord demonstrieren.“

Daniel Kebede, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft NEU (Großbritannien)

„Es ist mir eine große Freude, bei dieser historischen Konferenz unter euch zu sein, zu der sich Tausende von uns aus ganz Europa versammelt haben, um Frieden für alle Völker zu fordern.

Wir stehen am Rande eines Abgrunds.

Die Zahl der Konflikte weltweit ist heute so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, und der Chef im Weißen Haus will noch mehr Kriege, droht mit neuen Konflikten in Lateinamerika, insbesondere gegen Kuba, und geht sogar so weit, mit der Annexion Grönlands zu drohen. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass unsere Politiker die Voraussetzungen für den Frieden schaffen und bewahren.

Diese Verantwortung liegt bei uns.

Ohne die Stimme und das Handeln der einfachen Arbeiter*innen wird der Frieden, den wir uns alle wünschen, leicht von den Kriegstrommeln übertönt. Finanziert durch Kürzungen bei der sozialen Sicherheit, den öffentlichen Dienstleistungen und der Entwicklungshilfe erreichten die weltweiten Militärausgaben im Jahr 2025 den Rekordwert von 2.900 Milliarden Dollar und stiegen damit das elfte Jahr in Folge an.

Würde auch nur ein kleiner Teil dieser Ausgaben umgeschichtet, könnten damit wesentliche Entwicklungsherausforderungen bewältigt werden. So könnten beispielsweise mit den Kosten für ein einziges Stealth-Kampfflugzeug 200.000 Kinder ein Jahr lang zur Schule gehen.

Wir wollen soziale Sicherheit, keinen Krieg. Wir fordern Schulbücher, keine Bomben. Denn jeder Krieg ist ein Krieg gegen die Kinder.

Fast viereinhalb Jahre nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine leiden Kinder, Familien und Bildungsfachkräfte weiterhin unter den verheerenden Folgen dieses Konflikts. Hunderte ukrainischer Kinder wurden getötet, Tausende verletzt und Millionen vertrieben. Mehr als 1.700 Schulen wurden beschädigt oder zerstört, und 4,6 Millionen Kinder haben Schwierigkeiten, Zugang zu Bildung zu erhalten; sie sind gezwungen, ihren Unterricht online oder in zu Schutzräumen umfunktionierten U-Bahn-Stationen zu absolvieren. Trotz dieser Schwierigkeiten sorgen Lehrkräfte, Bildungsfachkräfte und ihre Gewerkschaften dafür, dass der Bildungsbetrieb weiterläuft. Und die NEU (National Education Union) bekundet ihre Solidarität mit der Gewerkschaft der Wissenschafts- und Bildungsbeschäftigten der Ukraine sowie mit dem ukrainischen Volk.

Anfang dieser Woche veröffentlichte die Globale Koalition zum Schutz der Bildung vor Angriffen einen Bericht, der die Angriffe auf das Bildungswesen im vergangenen Jahr dokumentiert – weit über die Ukraine hinaus. Ihre Ergebnisse sind ein Schandfleck auf unserem kollektiven Gewissen.

Mehr als 8.500 Angriffe auf das Bildungswesen wurden erfasst – ein bisher unerreichtes Ausmaß. In Palästina wurden 2.400 Angriffe auf Schüler und Lehrkräfte registriert. In Gaza herrscht ein regelrechter „Schulmord“: Schulen wurden zerstört oder bombardiert; im Westjordanland wurden Bildungseinrichtungen angegriffen.

Im Südlibanon wurden weite Schulbezirke zerstört, und seit März wurden mehr als eine halbe Million Kinder im schulpflichtigen Alter vertrieben. Im Iran wurden 150 Zivilisten bei der Bombardierung einer Mädchenschule getötet. In Nigeria, im Sudan und in der Demokratischen Republik Kongo wurden Schüler und Lehrkräfte entführt. In Kolumbien, dem weltweit gefährlichsten Land für gewerkschaftlich organisierte Lehrkräfte, wurden Lehrkräfte ermordet. (…) Und wie steht es um diejenigen, die sich erheben, um gegen diese Kriege und Gräueltaten zu protestieren? Wir haben miterlebt, wie sich eine starke Solidaritätsbewegung mit Palästina entwickelt hat. Doch diese Bewegung stieß auf Brutalität, Unterdrückung und Kriminalisierung. Wir alle waren Zeugen der Gewalt, die die israelische Armee gegen die Teilnehmer*innen der „Global Sumud Flotilla“ ausgeübt hat, deren einziges „Verbrechen“ darin bestand, humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen. Unsere Freunde Ben Jamal und Chris Nineham, zwei hoch angesehene Vertreter der Zivilgesellschaft, haben gegen ihre Verurteilung im Anschluss an die friedliche Solidaritätsdemonstration für Palästina im Januar 2025 Berufung eingelegt. (…) Also, Genossinnen und Genossen, eine gewaltige Aufgabe liegt vor uns.

Doch diese Konferenz hat, wie schon die Konferenz in Paris zuvor, gezeigt, dass wir gemeinsam weit mehr sind als die Summe unserer individuellen Kräfte.

Überall in Europa wächst der Widerstand gegen die Militarisierung. Überall in Europa nimmt der Widerstand gegen die Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiter zu. Gemeinsam können wir den Frieden erringen. Dank der internationalen Solidarität werden wir siegen.“


Übergeordnetes Thema:

Reden auf der Internationalen Konferenz und Kundgebung in London am 19./20. Juni 2026