Rede auf dem Internationalen Meeting gegen den Krieg in London am 20. Juni 2026 (Auszug)
Felix Kreklow Rojas, Mit-Organisator der Schulstreiks gegen die Kriegsdienstpflicht, Mitglied beim JSW (Jugendbündnis Sahra Wagenknecht beim BSW)

„Die Frage von Krieg und Frieden war schon immer eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Als Deutschland am 5. Dezember das neue Wehrdienstgesetz verabschiedete, wurde uns eine beruhigende Geschichte erzählt. Man sagte uns, dass die Jugendlichen im Falle einer Wiedereinführung der Wehrpflicht die Wahl hätten: Militärdienst oder ein Jahr Freiwilligendienst im sozialen Bereich. Aber vergleichen wir diese beiden Optionen einmal.
Die Streitkräfte versprechen, den Führerschein zu finanzieren.
Sie versprechen, beim Studium finanziell zu helfen. Sie bieten ein Gehalt. Sie bieten Karriereperspektiven. Ein Jahr Freiwilligendienst im sozialen Bereich bietet nichts davon. An wen richtet sich dieses Gesetz also wirklich?
Nicht an die Kinder wohlhabender Familien.
Nicht an diejenigen, deren Eltern bereits das Studium, eine Wohnung oder den Führerschein bezahlen können.
Es richtet sich an diejenigen, die die geringsten Möglichkeiten haben. An diejenigen, die Geld brauchen. An diejenigen, die es sich nicht leisten können, Nein zu sagen. Und das ist kein Zufall.
Den Ärmsten werden Anreize geboten, in die Kriege zu ziehen, die die Mächtigen beschließen. Deshalb ist dieses Wehrdienstgesetz nicht einfach nur Sicherheitspolitik. Es ist verschleierte Klassenpolitik.
Und all das geschieht im Namen der Demokratie. Man sagt uns, der Wehrdienst sei notwendig, um die Demokratie zu verteidigen, zu schützen und zu retten. Doch unsere Schulstreiks erzählen eine ganz andere Geschichte.
Junge Schüler wurden festgenommen.
Gegen junge Aktivisten wurden Strafanzeigen erstattet, obwohl sie kein Verbrechen begangen hatten.
Sogar die inneren Sicherheitsdienste haben sich für unsere Bewegung interessiert.
Noch bevor die Demonstrationen überhaupt beginnen, wollen die Behörden manchmal schon wissen, was wir sagen werden. Ein Großteil der Medien hat versucht, uns zu diskreditieren – nicht, weil unsere Argumente schwach wären, sondern weil sie diejenigen nicht mögen, die sie vorbringen.
Ich muss daher die Frage stellen: Um welche Demokratie handelt es sich hier? Eine Demokratie, in der abweichende Meinungen als Bedrohung angesehen werden?
Eine Demokratie, in der Protest mit Argwohn betrachtet wird? Eine Demokratie, in der Kritik nur so lange toleriert wird, wie sie harmlos bleibt?
Denn wenn Demokratie bedeutet, dass junge Menschen nur dann sprechen dürfen, wenn die Machthaber ihren Worten zustimmen, dann läuft da wirklich etwas schief. Und wenn es genau diese Demokratie ist, die man uns verteidigen lassen will, dann weigere ich mich, für sie zu töten, und ich weigere mich, für sie zu sterben.
Trotz all dessen, was ich gerade beschrieben habe, bin ich voller Hoffnung. Denn ich bin unglaublich stolz darauf, dass immer mehr junge Menschen den Mut finden, die Schule zu schwänzen, um sich den Streiks anzuschließen. In Deutschland sind bereits Zehntausende junge Menschen auf die Straße gegangen.
Und was mich besonders freut, ist, dass viele von ihnen nicht mehr nur gegen die Wehrpflicht demonstrieren. Sie beginnen zu verstehen, dass das Problem tiefer liegt als die Wehrpflicht selbst.
Das Problem heißt nicht Wehrpflicht. Es heißt nicht Hamas. Es heißt nicht Mullahs. Es heißt Kapitalismus.
Und wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, dann müssen wir Mut beweisen. Wir müssen bereit sein, unkonventionelle Wege zu gehen. Vor allem aber müssen wir international zusammenhalten. Denn die Wehrpflicht lässt sich zwar auf nationaler Ebene bekämpfen, das ihr zugrunde liegende kapitalistische System jedoch nur gemeinsam. Und noch ein Wort angesichts der aktuellen Ereignisse. Ich trage heute nicht irgendein Fußballtrikot. Ich trage das Trikot meiner Familie und meiner Wurzeln.
Morgen findet die Stichwahl in Kolumbien statt.
In der ersten Runde lag der rechtsextreme Kandidat an der Spitze. Ein Kandidat, der sogar so weit ging zu sagen, er wolle mit dem kolumbianischen Amazonas-Regenwald das tun, was Netanjahu in Gaza getan hat.
Doch ein Mann stellt sich ihm in den Weg. Er heißt Ivan Cepeda, der linke Kandidat, der die Nachfolge des linken Präsidenten Pedro antreten will. Und laut den neuesten Umfragen liegt er derzeit leicht in Führung. Und wenn Cepeda morgen gewinnt, kann Kolumbien den Kapitalismus besiegen.
In Deutschland wird es noch mehr Schulstreiks geben. Wir werden zahlreicher, lauter, entschlossener und schwerer zu ignorieren sein. Jedes Mal, wenn uns die Werbung der Bundeswehr sagt, dass wir Deutschland dienen, werden wir antworten: „Wir dienen niemandem“. Denn das von unseren politischen Verantwortlichen errichtete Lügengebäude beginnt bereits zu bröckeln.
Und wir werden nicht aufhören, bis es vollständig zusammengebrochen ist.“