Rede auf der Intenationalen Kundgebung gegen den Krieg in London am 20. Juni 2026 (Auszüge)
Ulrike Eifler, Gewerkschafterin (IG Metall)

»Zunächst einmal möchte ich Euch danken, den britischen Genoss*innen danken, die diese wichtige Konferenz organisiert haben und uns die Gelegenheit geben, uns hier in London zu treffen, um eine gemeinsame Perspektive für unsere Kämpfe zu entwickeln. Das ist dringend notwendig, denn unsere Regierungen führen uns in eine Zeit, die von Aufrüstung, Krieg, Klimakollaps, dem Abbau unserer sozialen Sicherungssysteme und Autoritarismus geprägt ist.
Eine der Haupttriebkräfte dieser Entwicklung ist Deutschland, das sich bereits im sechsten Jahr der Rezession befindet und mit einer massiven Deindustrialisierung konfrontiert ist. Fast die ganze Welt wendet sich von Deutschland ab – wegen seiner Doppelzüngigkeit und seiner bedingungslosen, mittlerweile unhaltbaren Unterstützung der israelischen Regierung. (…)
Unsere Regierungen führen uns in eine neue Ära, in der das Recht mit Füßen getreten wird. Und es wird immer offensichtlicher, dass Gaza keine Ausnahme war: Gaza war das Vorbild. Und, Genossinnen und Genossen, wer das Völkerrecht nicht achtet, achtet auch die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte nicht.
Die deutschen Politiker, die sich weigern, den Angriff auf den Iran als Verstoß gegen das Völkerrecht zu bezeichnen, sind dieselben, die den Achtstundentag abschaffen und das Rentenalter anheben wollen.
Was wir derzeit in ganz Europa erleben, ist klar: Dieser gigantische militärische Aufrüstungsschub wird durch unsere Renten, unser Gesundheitssystem und unsere Schulen finanziert. Unsere Regierungen haben die Kettensägen angeworfen. Es liegt an uns, sie zu stoppen und in die Versenkung der Geschichte zu verbannen.
Deshalb müssen wir ihnen laut und deutlich sagen: Wir akzeptieren die Zerstörung unserer Gesellschaften nicht.
Schulen sind weit mehr als Rekrutierungszentren für die Armee. Krankenhäuser sind weit mehr als Orte, an denen Soldaten notdürftig zusammengeflickt werden, bevor man sie wieder an die Front schickt. Und öffentliche Dienste sind weit mehr als eine Belastung für den Haushalt.
Dieser Kontinent, dieser Sozialstaat, gehören nicht unseren Regierungen. Sie gehören den Arbeiter*innen in den Fabriken, dem Krankenhauspersonal, den Angestellten in den Supermärkten. (…) Die Hafenarbeiter*innen in Italien und Griechenland haben gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir uns weigern, uns zu unterwerfen. Stellt euch vor, welche Kraft wir hätten, wenn nicht nur die Hafenarbeiter*innen sich weigern würden, Waffenladungen zu verladen, sondern auch die Lehrer*innen Soldaten den Zutritt zu ihren Klassenzimmern verweigern würden.
Oder wenn die Pflegekräfte erklären würden, dass sie Schusswunden und Verbrennungen nur unter der Bedingung versorgen würden, dass die Soldaten zu ihren Familien zurückgeschickt und nicht an die Front geschickt werden.
Deshalb, Genossinnen und Genossen, ist es unsere wichtigste Aufgabe, eine mächtige Bewegung gegen den Krieg aufzubauen, die tief, tief, tief in der Gewerkschaftsbewegung verankert ist.«